Trotz Tür-Drama erkämpft sich Laurin Heinrich den zweiten Platz |
Ein spektakuläres Wochenende auf dem Kurs von Road America liegt hinter dem Würzburger Rennfahrer Laurin Heinrich. Beim siebten Meisterschaftsrennen der nordamerikanischen Sportwagenmeisterschaft ließ sich der Porsche-Werksfahrer auch von einer bei rund 300 km/h aufgesprungenen Seitentür seines Porsche 963 nicht aus dem Konzept bringen und erkämpfte sich seine fünfte Podiumsplatzierung in dieser Saison. Doch es war nicht die einzige Tür, die sich für den 24-Jährigen am ersten August-Wochenende öffnete: Mit dem zweiten Platz und dem Ausfall des Tabellenführers verkürzte der Weltkader-Athlet der ADAC Stiftung Sport den Rückstand auf die Spitze um 95 Punkte und ist damit als Zweitplatzierter zurück im Titelkampf. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen, dem Niederländer Tijmen van der Helm und dem US-Amerikaner Kaylen Frederick, feierte der Unterfranke den Erfolg auf dem Podium. „Einfach Wahnsinn, dass wir auch mit der offenen Tür und dem verrückten Rennverlauf unter die Top-3 gefahren sind. Sicherlich auch der Verdienst unserer Taktik-Crew, die in den verschiedenen Situationen die richtigen Entscheidungen traf. Zwar liegt noch ein hartes Stück Arbeit vor mir, aber die Chance auf den Titel hat sich enorm verbessert“, sagte der Porsche-Pilot.
Heinrichs Team JDC-Miller MotorSports nahm das Sechs-Stunden-Rennen der IMSA WeatherTech SportsCar Championship auf der 6,515 Kilometer langen Traditionsstrecke im US-Bundesstaat Wisconsin vom elften Startplatz auf. Trotz zweier Durchfahrtsstrafen und eines Drehers blieb die Mannschaft im Rennen und brachte den Porsche 963 mit einer cleveren Boxenstrategie zurück in die Führungsrunde. Etwa zwei Stunden vor dem Ende übernahm Heinrich erstmals das Cockpit. Zahlreiche Gelbphasen ließen ihm nicht die Möglichkeit, sich in den Rennrhythmus zu begeben, dennoch behielt er die vorderen Plätze weiter im Blick.
Als sich das Feld in einer Situation vor ihm plötzlich staute, berührte der Porsche das abrupt abbremsende Auto vor ihm. „Das war alles super eng. Ich versuchte noch auszuweichen, aber der Kontakt war unvermeidbar“, beschrieb der Unterfranke den Moment. Dabei riss ein Loch in die Front, durch das Fahrtwind ins Auto strömte. Durch den Überdrück sprang wenige Runden später bei rund 300 km/h die rechte Seitentür auf. Staub und Partikel flogen ins Fahrzeug, während der beschädigte Porsche gleichzeitig Anpressdruck verlor. „Der Schlag im Cockpit war riesig. Ich musste mein Visier schließen und den Porsche mit der offenen Tür kontrolliert zur Box bringen“, schilderte Heinrich. Eine sofortige Reparatur kam jedoch nicht infrage, denn ein früher Stopp hätte die Strategie durchkreuzt und kurz vor dem Ende voraussichtlich einen weiteren Halt erfordert. Heinrich pilotierte den schwer angeschlagenen Porsche deshalb bis zum geplanten Service über die Strecke. Dort schloss die Crew die Tür und tauschte die beschädigte Front aus.
Heinrich kehrte auf Platz acht zurück und passte seinen sonst eher offensiveren Fahrstil an die unruhige Schlussphase an. Er vermied riskante Duelle, nutzte gute Gelegenheiten zum Überholen und behauptete sich anschließend gegen seine Verfolger, während mehrere Mitbewerber durch Zwischenfälle zurückfielen. Letztlich überquerte er die Ziellinie zunächst auf dem dritten Platz und rückte nach einer nachträglichen Strafe für das vor ihm gewertete Fahrzeug auf den zweiten Rang vor. Damit beträgt der Rückstand auf den Tabellenführer Jack Aitken 108 Punkte. „Durch die offene Tür wehte der Hot-Dog-Geruch aus dem Zuschauerbereich in mein Cockpit. Da kam bei mir nicht nur der Siegeshunger, sondern auch echter Kohldampf auf“, scherzte Heinrich im Ziel. Den nächsten Angriff auf die Spitze startet Heinrich vom 18. bis 20. September beim „Battle on the Bricks“ auf dem Indianapolis Motor Speedway. Der achte Saisonlauf führt über zwei Stunden und 40 Minuten und ist für den Porsche-Piloten der letzte Auftritt für JDC-Miller MotorSports, bevor er zum Finale in Road Atlanta (30.09. bis 02.10.) wieder im Werksauto von Porsche Penske Motorsport sitzt.


